
HAF im Interview mit Katja Rüssel Thera Felis, studierte Katzenverhaltensberaterin und Katzentrainerin, bekannt aus der Sendereihe „Zeit für Tiere“.
Sendetermin im BR "Zeit für Tiere", Samstag 20.03.2010, 14:35 Uhr (Katzensondersendung)
Seit wann üben Sie Ihren Beruf aus?
Vollzeit seit zwei Jahren und zuvor nebenberuflich.
Wie sind Sie dazu gekommen und was waren Ihre Beweggründe?
Ich habe eine kreative Ausbildung, mit klassischem Studium gemacht, dies war nicht erfüllend für mich. Über das ATN Institut habe ich ein Fernstudium in Hunde- und Katzenpsychologie absolviert. Berufsbegleitend dazu machte ich verschiedene Praktika. Im Anschluss habe ich mich auf Katzen spezialisiert, das war nahe liegend da ich selbst Katzen, jedoch keine Hunde habe.
Wie verläuft ein typischer Einsatz mit Ihren Katzen Patienten?
Typisch ist schwierig, generell melden sich die Leute zunächst telefonisch oder via E-mail bei mir. Daraufhin verschicke ich einen Fragebogen für Vorabinfos.
Im Raum München mache ich auch Hausbesuch. Teilweise bekomme ich Anrufe aus ganz Deutschland.
Bei den Hausbesuchen beobachte ich zunächst das Verhalten der Katze, die Interaktion zwischen Mensch & Katze an und schaue mir die Möglichkeiten des vorhandenen Wohnraums an. Ich erkundige mich bei den Besitzern nach der Vorgeschichte der Katze und wie sich das Verhalten entwickelt hat.
Bei meinen Beobachtungen nehme ich die Körpersprache der Katze wahr und analysiere was sie am Umfeld stören könnte.
Aspekte wie:
- Welche Rückzugsmöglichkeiten hat die Katze?
- Welche Ziele hat der Halter? Welche Möglichkeiten hat der Halter?
- Wieviel Zeit hat der Halter? Wieviele Personen leben im Haushalt?
- Wer kann sich wann um die Katze kümmern?
Spielen bei der richtigen Einschätzung der Lage eine grosse Rolle.
Insgesamt ist jeder Fall sehr individuell.
Erwartungen wie, dass ich komme und etwas tue und das Problem kommt nie mehr, sind unrealistisch.
Viele Katzenbesitzer wissen wenig über Katzen und deren Verhalten, viele Menschen denken Katzen sind unkompliziert und vergessen dabei, dass die Katze ein Raubtier mit komplexem Sozialverhalten und entsprechenden Bedürfnissen ist.
Können Sie uns einen besonders schwierigen Fall nennen?
Letztens hatte ich einen Fall, er war relativ unproblematisch, aber die Veränderungen waren schnell und deutlich zu sehen.
Ein Paar mit 2 Katzen hatte das Problem, dass die Katzen dem Mann gegenüber sehr scheu waren. Ein Besuch von mir reichte aus um eine Lösung zu erzielen. Ich gab dem Mann den Hinweis er solle sich mehr an der Körpersprache der Katzen orientieren. Das Paar nahm die Hinweise sehr gut an, sie näherten sich langsam, gingen in die Hocke, nahmen keinen direkten Blickkontakt auf etc., ganz nach dem Motto weniger fordern und mehr zurücknehmen.
Ich bekam kurze Zeit später eine Mail von meinen Klienten, meine Konsultation war ein voller Erfolg, es hatte sich deutlich und schnell etwas geändert. Dazu muss ich sagen, die Inhaber waren sehr kooperativ und arbeiteten super mit.
Gestaltet sich Ihre Arbeit immer so einfach?
Nein, manche Menschen denken, ich komme und bringe eine Wunder-Tablette oder Magie mit und alles ist gut.
Sie verstehen nicht, dass sie selbst sich ändern müssen um das Problem zu beheben. Hierbei geht es nicht um Schuldzuweisung den Katzenhaltern gegenüber, denn jeder macht Fehler, sondern um Aufklärung. Motivation und Vertrauen sind wichtig um etwas zu ändern. "Verändere dich selbst, damit sich dein Umfeld verändert".
Wie lösen Sie die Probleme der Katzenhalter am Telefon?
Je nach Fall sehr unterschiedlich. Maßnahmen bei Unsauberkeit sind z.B. die Frage nach den Katzenklobedingungen. Sind genug Klos da, wie viele Katzen gibt es?
Die Infos die ich vom Halter bekomme, sind nicht immer stimmig. Ob das Katzenklo groß oder klein ist, ist relativ. Was ich unter einem großen Katzenklo verstehe muß nicht das sein, was der Halter unter einem großen Klo versteht. Deshalb bitte ich darum das Katzenklo abzumessen, um die Situation via Telefon besser beurteilen zu können.
Bei Aggressionen sind Videos optimal, die mir das Verhalten der Katze zeigen und mir helfen die Körpersprache der beteiligten Katzen zu beurteilen.
Ich schicke dann Mimik- und Gestikskizzen von Katzen raus, damit der Halter die offensichtlichen Körpersignale seiner Katze besser kennen lernen und einschätzen kann.
Gibt es abschließend etwas, dass Sie Katzenbesitzern ans Herz legen möchten?
1000 Dinge. Was häufig auffällt ist der Tipp aus verschiedenen Foren, bei Katzen Wasserpistolen einzusetzen. Bitte bestrafen Sie Ihre Katzen nicht mit der Nutzung einer Wasserpistole. Menschen verstehen nicht, welche Auswirkungen Bestrafungen mit sich führen. Strafen sollten wenn überhaupt nur von Profis durchgeführt werden oder nur zum Selbstschutz bei enorm aggressiven Katzen.
Bei Bestrafung wird das Problemverhalten meist verlagert und nur noch heimlich gezeigt. Das Tier lernt dadurch nicht was es denn statt dessen tun soll. Es versteht die Strafe nicht und die Mensch-Katze-Beziehung kann stark darunter leiden. Bessere Alternativen zu bieten ist der richtige Lösungsansatz.
Artgerechte Beschäftigung für so ein aktives Raubtier wie die Katze hilft, Unarten vorzubeugen. Dazu eignet sich beispielsweise das Clickertraining sehr gut, da dabei Körper und Geist gefordert werden. Nicht nur bei der Katze. Ich stelle beim Clickertraining mit Katzen immer wieder fest, wie sehr sich die Katzen freuen, dass sie endlich ihren Kopf benutzen dürfen und gefordert werden.
Denn Katzen sind nicht nur zum Schmusen da. Man kann sie erziehen, ihnen etwas beibringen und vorallem selbst noch viel von ihnen lernen. Es sind einfach unglaublich faszinierende und teils noch immer rätselhafte Tiere, die uns gerne ein Katzenleben lang begleiten, wenn wir ihre Eigenheiten würdigen und respektieren.
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